FĂ©vrier 21, 2021
Par Attaque
147 visites


Der Missbrauch seitens der Polizei – wenn die Bullen erpressen, beleidigen, verprĂŒgeln, vergewaltigen, ermorden – das alles wird von den Dienern des Staates als Einzel- und Ausnahmefall beschrieben, als Ergebnis ungĂŒnstiger UmstĂ€nde oder einem „faulen Apfel“ geschuldet.

Dies bedeutet zu behaupten, dass die Polizisten insgesamt tapfere Ritter im Dienste des Guten seien und dass ihre Arbeit unverzichtbar fĂŒr die Gesellschaft sei.

Dennoch reicht es, sich ein bisschen umzuschauen, um zu sehen, dass Gewalt die Essenz von Herrschaft ist. Diese Gewalt wird aber oft verborgen oder normalisiert, als ob die Ausbeutung, die Angriffe, die Einsperrungen und die Ermordungen normal sein könnten.

Viel zu oft verurteilen die Opfer polizeilicher Gewalt und ihrer Angehörigen das Verhalten der Bullen nur in Bezug zum Einzelfall, von dem sie betroffen sind. Das Wesen der polizeilichen Institution und des Herrschaftssystems, dem sie dient, wird fast nie hinterfragt. Die Polizei hat eine Person getötet? Ihre Angehörige stellen eine Anzeige, organisieren stille GedenkmĂ€rsche, unterdrĂŒcken ihre Wut und versuchen den Zorn derjenigen, die nach Rache schreien, zu besĂ€nftigen. Sie denunzieren das rassistische, faschistische und antidemokratische Abdriften eines Teiles der SicherheitskrĂ€fte. Sie appellieren an dem Gesetz, dasselbe Gesetz, das in erster Linie zur Sicherung von Herrschaft und Ausbeutung existiert.

Wie oft hören wir den Ruf nach „Wahrheit und Gerechtigkeit“? Wahrheit: das „kriminelle“ Verhalten bestimmter Polizisten sollte erkannt werden – und demzufolge das „richtige“ Verhalten wiederhergestellt werden. Gerechtigkeit: die Verantwortliche sollten bestraft werden – damit das System gleichbleibt.

Und an wen werden diese Appelle gerichtet? An die Justiz der Gerichtshöfe natĂŒrlich! Diejenige Justiz fĂŒr die die Polizei arbeitet und die es ohne Polizei nicht geben wĂŒrde. Welche Wahrheit und welche Gerechtigkeit sind dann gemeint? Nur diejenige, die uns die Justiz – Instrument der politischen, ökonomischen und moralischen Macht – zugestehen wird.

All das bedeutet das Herrschaftssystem und seine Diener zu stÀrken. Es handelt sich dabei um einen Teufelskreis, aus dem man nicht mehr rauskommt.

Das Herrschaftssystem kann es manchmal hilfreich finden, ein bestimmtes Verhalten seiner Diener zu bestrafen, das als ĂŒbertrieben wahrgenommen wird. Wir leben ja in einer Demokratie, vergessen wir das nicht! Und die „Beschwerden“ der Untertanen, wenn sie nur kleine Teile des Systems hinterfragen, können auch nĂŒtzlich sein. Das System kann somit ihre LĂŒcke und ihre Exzesse korrigieren und zugleich den Eindruck erwecken, dass sie seinen Untertanen zuhört. Dies stĂ€rkt das Herrschaftssystem und beseitigt die inneren Reibungen.

Solange es die Polizei gibt, wird es Polizeigewalt geben. Aber in alltĂ€glichen Situationen ist die Polizei erfolgreicher, wenn sie vorgibt, ein besonderes Augenmerk fĂŒr die Rechte der BĂŒrger zu haben. Das MĂ€rchen der Demokratie und der Menschenrechte kann weitergehen.

Wer glaubt eigentlich an dem freundlichen Bullen? Es handelt sich immernoch um einen Bulle und er erledigt seine Arbeit besser als der brutale Bulle. Aber versuchen wir uns kurz vorzustellen, dass eine „freundliche“, „demokratische“ Polizei, die unsere „Rechte“ beachtet, möglich wĂ€re. Was wĂŒrde das bedeuten? Das auf der anderen Seite die Bevölkerung auch „freundlich“ sein wĂŒrde.

Ein Herrschaftssystem, das sich mit der Maske der Demokratie verdeckt, diese riesige LĂŒge, hĂ€tte ein großes Interesse daran, dass die Polizei keine Gewalt mehr benutzt. Denn dies wĂŒrde bedeuten, dass es ihr gegenĂŒber Untertanen geben wĂŒrde, die gehorchen wĂŒrden. Der SchĂ€ferhund ist sanftmĂŒtig, wenn die Schafe sich fĂŒgen.

Eine Polizei zu wollen, die ihre Arbeit „gut“ erledigt, bedeutet also sich die eigene, gĂ€nzliche Unterwerfung zu wĂŒnschen. Man wĂŒrde keinen KnĂŒppel mehr brauchen, weil jede_r schon ein Polizist – der mĂ€chtigsten – in seinem_ihrem eigenen Kopf hĂ€tte.

Das Hauptproblem ist also nicht die einzelne Gewalttat der Bullen. Das Problem ist die Existenz der Polizei, die Existenz des Staates, dem sie dient und schließlich die Existenz einer Gesellschaft, die auf AutoritĂ€t und Knechtschaft basiert.

Deswegen wollen wir gar keine Polizei, nicht mal die demokratischste – vor allem nicht die demokratischste. Nicht weil die Bullen Mörder sind. Sondern weil das System, dass sie verteidigen und auferlegt wird, tödlich ist. Weil eine Welt, die die Polizei braucht, eine tödliche Welt ist. Weil wir keine AutoritĂ€t mehr wollen! Weil wir frei sein wollen!

[Attaque : der letzte Absatz fehlt]

[Übersetzung: Kontrapolis]

[en français][in italiano][in english]




Source: Attaque.noblogs.org